Donnerstag, 12. Februar 2009

(...) 3



 

...aber er wollte mir lediglich die Blümen abkaufen, die ich für meine Schwester mit hatte - in dem Dorf hatte wohl kein einziger Blumenhändler mehr geöffnet, und der Kerl in derbilligen Pelzmütze wollte seiner Frau noch eine Freude machen - vielleicht hatte er etwas anderes vergeigt.. Er bot mir wahrscheinlich seinen halben Monatslohn für diese Blumen an, aber ich blieb standhaft.

Alles in allem, es war kein wildes Abenteuer - das stand mir noch bevor. 

Es war kurz vor zehn, ich dachte, genau richtig, noch paar Stunden bis Mitternacht, Zeit zum Reden und sich zu stärken... Als ich das Haus fand, staunte ich nicht schlecht, dachte schon, es wäre das falsche, ich hätte mich in der Dunkelheit verirrt, dann putzte ich das Schildchen auf dem Briefkasten... Alle Fenster waren dunkel, es sah gar nicht so aus, als ob da jemand drin wäre. Feiern die wo anders? dachte ich. Es kann doch nicht sein, dass sie schlafen?.. Eine Weile stand ich im Schnee und überlegte. Es war bitterkalt, und ich war schon wieder so leicht(sinnig) angezogen: Minirock, dünnes Lederjäckchen, hochhackige Stiefel, die in der Stadt zwar sehr chic waren, hier aber überhaupt keinen praktischen Wert hatten – allerdings kam ich hierher um zu feiern, nicht um im Schnee zu frieren. Dann ging ich zum Haus; der letzte Bus war schon längst weg, der nächste kommt vielleicht morgens, bevor ich zu irgendwelchen Nachbarn gehe, versuche ich doch noch für alle Fälle an der Tür zu klopfen, beschloss ich. Zu meiner noch größeren Verwunderung war die Tür gar nicht abgeschlossen. Na großartig, sie sind weggefahren und währenddessen wurde bei ihnen eingebrochen. Ich machte das Licht an, ging durch das Haus und kam zu dem Schluß, dass es doch keine Räuber waren, sondern irgendein Obdachloser. Wenn es den zu kalt wird, suchen sie sich solche Hütten, die irgendwo am Rande stehen, brechen ein und hausen dort, bis die Besitzer wieder auftauchen und sie vertreiben. Es war dreckig, der Kerl zog die Straßenschuhe nicht aus, in der Küche war die Spüle gefüllt mit benutzten Tellern und Messern. Und es war genauso kalt wie draußen, das ganze Holz war verbraucht und er war natürlich zu faul um neues reinzubringen. Also machte ich es, denn mir war nicht danach hier bis morgen mit den Zähnen zu klappern. Ich hoffte nur, er käme bloß nicht zurück. Ich dachte, wenn er das Licht in den Fenstern sieht, wird er nicht reinkommen.