Sonntag, 15. Februar 2009

(...) 7




Ich wachte auf und musste erst überlegen, wo ich mich befand und warum... Es war noch dunkel. Und still. Es schien so, als ob meine Gastgeber noch schliefen... Dann hörte ich ein Geräusch hinter der Wand – der Wasserkocher. Also doch schon jemand wach. Ich zog mich langsam an, es waren immer noch keine Stimmen zu hören. Mama bereitete allein in der Küche das Frühstück vor. Ich begrüßte sie, sie antwortete  nicht. Ich blieb an der Schwelle stehen. Auf dem Tisch standen zwei saubere Tassen. Ich fragte mich: weigerte sich die Frau für mich zu decken? Oder war Cleu schon fertig und längst weggeflogen? Er befand sich auch gar nicht in meinem Sichtfeld – konnte er wirklich ohne mich gegangen sein?  Am allerwenigsten hatte ich Lust so in der Tür zu stehen, zu rätseln und diese bleierne Stimmung zu ertragen. - Wenn Sie nichts dagegen haben, - sagte ich, - mache ich mich jetzt langsam auf den Weg. Die Frau schaute mich gleichgültig an. Natürlich hatte sie nichts dagegen, sie war nur überrascht, dass ich so schnell und ganz von alleine auf diese tolle Idee kam. - Ohne Frühstück? Cleu ist gerade frisches Brot holen gegangen, vielleich bringt er noch Teilchen mit oder Kuchen.. Ach so, er holt nur Brot, dachte ich und fühlte mich ungemütlich, als ich uns drei am Frühstückstisch vorstellte, mit einem Kuchen in der Mitte, und mit zwei Tassen... - Das ist nett, - sagte ich, - aber ich habe Angst meinen Flug zu verpassen; ich muss echt los. Sie hielt mich nicht auf. Ich nahm meine Tasche und ging. Sie sagte noch: gute Heimreise – das netteste, was ich von ihr hörte. Es war mir ein wenig peinlich, es war quasi eine Flucht, Cleu wird bestimmt enttäuscht sein, wenn er zurückkommt, dachte ich, oder er wird sich schämen, oder vielleicht auch nicht. Vielleicht wird er einfach nur erleichtert sein, genau wie seine Mutter und ich auch, also was sollst, es gäbe keine bessere Lösung, es wär uns allen recht..  Ein paar Strassen weiter fand ich eine Bushaltestelle. Dann kam auch der Bus, zum Glück war dort das öffentliche Verkehr um einiges besser als in dem Dorf meiner Schwester. Ich hatte keine Ahnung, wann welche Maschinen abfliegen, aber irgendwas würde sich schon für mich finden. Jetzt war es auch nicht mehr so düster am Flughafen, es wurde immer heller, der Himmel klärte sich... Ich dachte noch lange nach, und ich dachte, dass ich  sowieso immer viel zu viel denke. So was muss man irgendwann einfach nur stehen lassen, und das würde ich wirklich gerne, nein, nicht vergessen, aber so was wie ins Archiv legen und dort verstauben lassen..