Donnerstag, 14. April 2011

crossing the land / elles (2)

an dem abend wollten die mädels ausgehen. so was war natürlich nicht erlaubt und sogar gefährlich, aber wer kümmerte sich schon.. sie achten sich fertig, da kam evadan, bereits betrunken. wir wollten sie erst gar nicht mitnehmen in diesem zustand, aber sie wollte dann doch mitkommen.
wir haben uns dann herausgeschlichen, wie immer, durch das maisfeld.. solange es noch nicht ganz dunkel war, mussten wir aufpassen, dass uns keiner sieht. aber das war ja auch nichts neues. wir gingen oft an wochenenden zu dieser raststätte mit der bar. das war so der nächste erreichbare für uns ort, wo man typen treffen konnte, keine mitschüler, die spandierten einem was, es gab musik und tanzfläche..
ja, an dem abend erwarteten wir noch eine freundin, hella, sie war älter, arbeitete als kellnerin, aber sie kam nicht. doch wir haben drei nette jungs kennengelernt. einer schien kattina besonders zu mögen, aber der war fast um einen kopf kleiner als sie. das sah schon beim tanzen nicht besonders gut aus. aber als er uns dann nach hause begleiten wollte, wurde es noch tausend mal peinlicher. nicht nur dass er nicht im stande war uns zu beschützen - die reiter würden ihn töten oder zumindest krankenhausreif prügeln.. doch der ließ nicht locker, so dass katina sogar einen streit mit ihm anfangen musste. letztendlich wurden wir ihn los und sind dann nach hause. es war natürlich schon sehr sehr spät. wir wussten, dass etwas passieren konnte, aber dann waren wir doch irgendwie abgelenkt - wahrscheinlich wegen dem jungen - und haben die motore ein wenig zu spät gehört. jedenfalls mussten wir uns ganz schnell verstecken - wo? im kanal natürlich, im schilf. es war unerwartet tief, wir sind alle runtergerutscht, bis zu den schultern ins wasser, die hübschen klamotten natürlich alle hin, schuhe verloren..  aber sie haben uns nicht bemerkt! sind vorbeigefahren, 6 motorräder. wir überlegten noch, was wir tun sollten, ob die zurückkommen würden oder einen anderen weg fahren.. dann haben wir beschlossen, nicht mehr auf die starsse zu gehen, sondern direkt übers maisfeld zu laufen. dabei waren die pflanzen schon um einiges größer als wir und wir hätten uns verlaufen können, aber das war auf jeden fall besser, als von den kerlen erwischt zu werden.
gott sei dank irgendwann kamen wir an der schleuse heraus, am fluß.. im dorf war noch alles ruhig - die leute stehen ja bekanntlich sehr früh auf dort wegen ihrer kühe, aber nein, sie waren noch alle am schlafen, also war es noch nicht morgen.. es war vollkommen dunkel, erst am internat, am eingang zum wohnheim war ein lich und da haben wir uns in voller pracht gesehen... unsere klamotten, und haare.. es war schrecklich. wir wussten nicht ob wir lachen oder weinen sollten.. am meisten waren wir natürlich erleichtert darüber, dass wir es geschafft haben.. doch ein wenig zu früh. da stand plötzlich die betreuerin in der tür. und das war für uns fast genauso schlimm wie von der moto-gang erwischt zu werden. ihre dienstwohnung befand sich direkt neben dem eingang, vielleicht hörte sie unsere stimmen.. ihre wohnungstür stand halb offen - bevor sie sie geschlossen hat - und da hab ich es plötzlich gesehn, und evadan hat es auch gesehen, wir haben uns angeguckt und wir wussten es.. sie nahm uns mit in die gemeinschaftsküche. sie hat natürlich mit der prädigt angefangen, und wir sagten nichts, was hätten wir tun sollen.. sie musste natürlich wieder die gruselige geschichte wieder rausholen, die wir schon zig mal gehört hatten, von den ausländischen touristinnen, die spaß haben wollten, haben typen aufgegabelt, einer hatte ne peitsche am gürtel, sagte, er dressierte pferde.. dann fand man die frauen tot, ausgepeitscht, vergewaltigt, auch mit dem peitschengriff... damit wollte sie uns scheinbar zu vernunft bringen, aber die geschichte war echt schon alt. jedenfalls sagte die betreuerin so was wie: wollt ihr auch so etwas erleben? und evadan antwortete plötzlich: nein, sonst hätten wir uns nicht im wasserkanal versteckt und auch nicht quer durchs maisfeld gelatscht.. wir haben uns erschrocken, ich denke immer noch, es wäre besser in einer solchen situation den mund zu halten, aber evadan kann das schlecht. die betreuerin sagte etwas von verantwortung, und dem schuldirektor, und dass wir morgen um 10 zu ihr kommen sollten.. und da sagt evadan doch tatsächlich: ... eigentlich sind sie eine tolle frau.. wer hätte gedacht, dass sie mit diesem arschloch was hätten... heute nachmittag hat er direktors sekretärin gevögelt, und nachts schläft er also bei ihnen?.. lassen sie sich doch nicht verarschen! ich lass mich auch nicht verarschen, werder vom direktor, noch von jemand anderem. ich weiß, dass niemand uns rauswerfen wird, es passiert überhaupt nichts hier, nie!.. dann haben wir uns auf sie gestürzt, damit sie die still ist, wir dachten, sie macht alles nur noch schlimmer. und die betreuerin war ganz blass und sagte nichts mehr. und ging einfach. wir konnten es nicht fassen. wir haben noch evadan geschüttelt, aber sie kam richtig in rage: ich habs satt! sie sollen uns in ruhe lassen! ich will duschen!
und wir gingen dann duschen und schlafen.
am morgen haben wir verschlafen - ich erinnerte mich, die betreuerin wollte uns um 10 sehen. wir liefen direkt runter, aber die betreuerin war nicht da. es war kurz nach 10, eigentlich hätte sie da sein müssen.. wir saßen bis 12 in der küche und warteten. dann gingen kattina und ich zur kantine - mit töpfen und tellern, und holten suppe, brot und salat. als wir zurückkamen, saß evadan auf der fensterbank und rauchte. wir schimpften, wir hatten immer noch angst. um zwei sagte evadan, sie hätte keine lust mehr zu warten, sie geht. wir versuchten sie zu überreden.. sie verscwand dann im garten, aber wir gingen dann auch bald nach oben ins zimmer. gegen sechs kam evadan aus dem garten - sie lag dort wohl in der sonne, sah aus wie eine urlauberin - und sagte, die betreuerin sei wieder da. wir sprangen auf. - seit wann denn? das sagst du uns erst jetzt? sie sagte: ganz ruhig, sie kam gerade erst wieder.
dann gingen wir zu ihr. und die war kaum wiederzuerkennen. so gut gelaunt, unbekümmert.. sie sagte: ach ihr seids, kommt rein. sie trug so ein schönes sommerkleid an mit offenem rücken, und sie hatte noch ihre sandalen an.. ich glaube, so sah ich sie zum ersten mal.und ihr haar.. normalerweise war es im einfachen knoten zusammengebunden, aber diesmal - ganz kunstvoll um den kopf geflochten zu einer art krone..  es war faszinierend. ich glaube, sie hat für eine weile selbst vergessen, was sie von uns wollte, aber dann fiel es ihr wieder ein. doch sie lud uns ein auf ihre coch und sagte, dass sie nicht mehr vorhabe irgendwelche moralprädigten zu halten. sie sagte: wir sind alle erwachsen. schlimm genug: jederzeit kann irgend so ein arschloch kommen und euch weh tun. wozu sich dann noch gegenseitig fertig machen?
ja, das sagte sie. und dann holte sie gläser heraus und wein. und evadan fragte: sagen sie, haen sie sich selbst die haare so gemacht?
und sie antwortete: nein, das war eine gute freundin, die ich heute besucht habe.

apropos freundin..