Sonntag, 22. Mai 2011

Alisa. la bande originale (22)




der rhein ist wieder seicht und ruhig, das wasser bewegt sich kaum noch. enten machen nickerchen auf trockenem schlamm.
auf der dorfpromenade wird feierlich die neue grillsaison eröffnet, kühler wind und bedeckter himmel können hier keinem die laune verderben. ein rentnerpartyschiff mit lauter marschmusik zieht vorbei, als wollte da jemand  holland überfallen. in der campingsiedlung blüht das zusamenfaltbare leben. wohnwagenpennbrüder thronen auf klappstühlen und betrachten den fluß durch den maschendrahtzaun, auf klapptischen steht bier oder wein, an der leine zappelt bunte wäsche. abends setzen sie sich auf ihre hightech-drahtesel und fahren zur nächsten provinzflaniermeile. um sich unter das deutsche volk zu mischen ziehen sich meine muslimischen mitbürger besonders festlich an: frauen in weißen tüchern und kleidern, männer in dunklen anzügen mit kravatte und sonnenbrillen wie mafia. obwohl sie alle stinknormale langweilige jobs haben und auch sonst nur irgendwie dazugehören wollen, kommen sie den ureinwohnern noch sehr suspekt vor. diese - frischpansioniert und frischfrisiert - setzen sich in leere eiscafes und beobachten aufmerksam das geschehen. Camper studieren preislisten der cafes ohne von ihren bikes zu steigen. autos warten in zwei reihen auf die fähre. zum ewigen familienglück verdammte dorfpärchen flanieren händchenhaltend und eindeutig unter minderwertigkeitskomplexen leidend an den teuren feinkostläden vorbei.
so beginnt unser sommer.