Samstag, 21. Mai 2011

Alisa.la bande originale (21)





mutter verbot ihnen in ihrer abwesenheit die fenster zu öffnen - nur das obere kleine klappfenster zum luften! - sagte sie und drohte mit dem finger wie mit einer waffe. und natürlich waren alle fenster weit aufgerissen, sie standen auf der fensterbank, ballancierten auf dem sims ohne sich am fensterrahmen festzuhalten, denn von dort, vom zwölften stock aus sah man die ganze stadt und alles andere drum herum. unten krochen andere kinder auf dem asphalt wie winzige insekten, sie zeichneten mit  kreide merkwürdige bilder und muster wie aus der sendung über ausserirdische und spielten geheimnisvolle spiele in den engen schluchten zwischen geschäften, kino, wäscherei und friseursalon. man sah rechts den see, in dem einmal ein esel ertrank,oder vielleich ein ganzer laster versank darin, man erzählte verschiedenes... noch weiter dahinter glänzten dächer der treibhäuser. links war die schule, der stillste ort im sommer und deshalb vie interessanter als sonst - sich im schulhof rumzutreiben und durch die fenster in die leeren klassenräume reinzuschauen (und für so manch einen buchliebhaber war der besuch der schulbibliothek im sommer ein wahrhaftig exklusives erlebnis)... der sportplatz mit kaputtem verbogenem klettergerüst. dahinter standen andere hochhäuser und man sah ein stück vom dach der neuen schule, die erst vor kurzem fertiggebaut wurde und am kommenden herbst zum ersten mal ihre pforten öffnen sollte. jungs, die die baustelle regelmäßig erkundeten, berichteten interessante ding, zum beispiel dass es in der neuen schule einen schwimmbad geben sollte. fast jeder bat seine mutter in die neue schule überwiesen zu werden und fast jeder erzählte, sie hätte zugestimmt, unter gewissen bedingungen... doch es hieß auch, diese schule sei für die kinder der mitarbeiter der ebenso neugebauten textilfabrik da, die man allerdings nicht von diesem fenster aus sehen konnte, egal wie weit man sich daraus lehnte. dafür sah man aber den marktplatz, den stausee, den nussbaumhain, den fluss mit dem staudamm, mit einem wasserfall von fantastischer schönheit - in einer weißen dampfwolke - genauso stellten sie sich niagara vor..